Mara
Sterbe- und Trauerbegleitung
Liebe Wegbegleiter!
Ein leiser Einstieg in ein großes Thema
Trauer beginnt oft leise. Und doch ist sie laut im Inneren. Und während viele Menschen glauben, dass Trauer vor allem aus Traurigkeit besteht, zeigt sich in der Begleitung sterbender Menschen und in der Zeit danach etwas ganz anderes. Denn Gefühle in der Sterbe- und Trauerphase sind vielfältig, widersprüchlich und oft überraschend. Und genau deshalb brauchen sie Raum, Worte und Erlaubnis.
Dieser Beitrag möchte entlasten. Und er möchte erklären. Und er möchte dir sagen: Du bist nicht falsch mit dem, was du fühlst.
Gefühle in der Sterbephase – wenn Abschied schon vor dem Tod beginnt
Die Sterbephase ist nicht nur eine medizinische oder pflegerische Zeit. Sie ist vor allem eine emotionale Ausnahmephase. Und während der Körper sich langsam verabschiedet, beginnt die Seele oft schon früher mit der Trauerarbeit.
Gefühle wie Angst, Hilflosigkeit und tiefe Traurigkeit stehen dabei häufig im Vordergrund. Und doch mischen sich auch andere Emotionen hinein. Hoffnung zum Beispiel. Oder Dankbarkeit. Oder manchmal sogar Momente von Nähe und Intensität, die vorher so nicht möglich waren.
Denn während der Tod näher rückt, rücken viele Menschen emotional näher zusammen. Gespräche werden ehrlicher. Berührungen werden bewusster. Und Zeit bekommt eine andere Bedeutung.
Und dennoch ist diese Phase oft geprägt von Daueranspannung. Von Warten. Von Aushalten. Von Verantwortung. Und genau das ist wichtig zu verstehen, wenn wir später über Erleichterung sprechen.
Trauer ist nicht linear – sie ist ein beweglicher Prozess
Trauer verläuft nicht in klaren Phasen. Auch wenn Modelle Orientierung geben können, erleben die meisten Menschen Trauer als ein Auf und Ab. Als ein Hin und Her zwischen Nähe und Distanz, zwischen Schmerz und Momenten von Ruhe.
Und deshalb ist es normal, dass Gefühle wechseln. Und dass sie sich widersprechen. Und dass sie manchmal sogar irritieren.
Du kannst am Morgen weinen. Und am Mittag lachen. Und am Abend wieder zusammenbrechen. Und all das ist Trauer.
Erleichterung nach dem Tod – wenn neben Traurigkeit auch Ruhe entsteht
Ein Gefühl, über das kaum gesprochen wird, ist Erleichterung. Und doch begegnet es mir in der Sterbebegleitung und in der Trauerarbeit immer wieder.
Erleichterung bedeutet nicht, dass der Tod gewünscht wurde. Und sie bedeutet nicht, dass die Beziehung weniger wichtig war. Sie bedeutet vor allem eines: Anspannung fällt weg.
Denn die Zeit des Begleitens ist oft lang. Und sie ist intensiv. Und sie fordert emotional, körperlich und mental. Viele Angehörige leben über Wochen oder Monate im Ausnahmezustand. Immer bereit. Immer wachsam. Immer verantwortlich.
Wenn dieser Zustand endet, reagiert das Nervensystem. Und es reagiert oft mit einem tiefen Aufatmen.
Diese Erleichterung darf sein.
Und sie sagt nichts über die Liebe aus.
Ambivalente Trauer – wenn Lachen, Glück und Weinen nebeneinander stehen
Viele Trauernde erschrecken, wenn sie lachen. Oder wenn sie sich über etwas freuen. Oder wenn sie für einen Moment glücklich sind.
Doch diese ambivalenten Gefühle sind kein Zeichen von Verdrängung. Sie sind ein Zeichen von seelischer Regulation.
Unsere Psyche sucht immer wieder nach Ausgleich. Und sie braucht Pausen vom Schmerz, um ihn überhaupt tragen zu können.
Deshalb sind Momente von Fröhlichkeit nicht respektlos. Und Lachen ist kein Verrat. Es ist ein Atemholen.
Fachlicher Blick: Warum unser Nervensystem so reagiert
Aus psychologischer Sicht ist Trauer eine Stressreaktion. Und die Sterbephase ist eine Zeit chronischer Belastung. Der Körper ist dauerhaft aktiviert. Das Stresssystem läuft auf Hochtouren.
Wenn diese Phase endet, kommt es häufig zu einer Gegenreaktion. Der Parasympathikus übernimmt. Entspannung wird möglich. Gefühle verändern sich.
Erleichterung ist deshalb keine moralische Kategorie. Sie ist eine physiologische Reaktion.
Schuldgefühle in der Trauerphase – warum sie so häufig auftreten
Viele Menschen reagieren auf Erleichterung oder Fröhlichkeit mit Schuld. Sie fragen sich, ob sie falsch fühlen. Oder ob sie nicht genug geliebt haben.
Doch Schuldgefühle gehören häufig zur Trauer. Sie entstehen aus Loyalität. Und aus der Angst, die Verbindung zu verlieren.
Es ist wichtig zu wissen: Gefühle bewerten Beziehungen nicht.
Deine Trauer braucht Erlaubnis und keine Kontrolle
Je mehr wir versuchen, unsere Gefühle zu kontrollieren, desto schwerer wird Trauer. Denn Trauer möchte gefühlt werden. Nicht korrigiert.
Erlaubnis ist deshalb ein zentraler Schritt in der Trauerbewältigung. Die Erlaubnis zu weinen. Die Erlaubnis zu lachen. Die Erlaubnis, nichts zu fühlen.
Fazit: Alles darf da sein
In meiner Arbeit als Sterbebegleiterin habe ich viele Menschen erlebt, die sich für ihre Gefühle geschämt haben. Und ich habe erlebt, wie viel Heilung entsteht, wenn diese Scham weichen darf.
Trauer ist kein Leistungstest. Und sie ist kein Beweis für Liebe. Sie ist ein Prozess der Anpassung an eine neue Realität.
Wenn du eines aus diesem Beitrag mitnimmst, dann bitte das:
Du darfst fühlen, was du fühlst. – Traurigkeit. Erleichterung. Freude. Leere. Dankbarkeit. –
Sie schließen sich nicht aus. Sie erzählen gemeinsam deine Geschichte. Diese Geschichte darf genauso sein, wie sie ist, denn sie ist echt.
Du begleitest jemanden und hast Fragen?
Ich bin Mara, Sterbe- und Trauerbegleiterin, und unterstütze Dich, An- und Zugehörige auf diesem Weg – mit Herz, Wissen und Raum für alles, was sein darf.
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